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Die Sprache deiner Emotionen

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Emotionen sind die Sprache unseres Inneren. Sie zeigen uns, wie es uns wirklich geht – oft schneller, als unser Verstand es erfassen kann. Freude lässt uns weit werden, Traurigkeit zieht uns nach innen, Angst macht eng, Wut bringt Hitze und Spannung. Emotionen entstehen nicht nur im Kopf: Sie äußern sich im Körper, im Atem, in unserer Haltung und in unseren Gedanken.

Vielleicht spürst du bei Stress einen Druck im Brustraum, bei Sorge ein flaues Gefühl im Bauch oder bei Überforderung einen flachen, schnellen Atem. All das sind Signale deines Nervensystems. Emotionen wollen uns nichts „schlechtes“ antun – sie möchten wahrgenommen, verstanden und reguliert werden.

Wie können wir gesund mit Emotionen umgehen?

Der erste Schritt ist, Gefühle zuzulassen, ohne sie zu bewerten. Statt „Das darf ich nicht fühlen“ darf ein inneres „Es ist gerade so“ entstehen. Der zweite Schritt ist, den Körper mit einzubeziehen. Denn Emotionen lösen sich selten allein durch Denken – sie brauchen Raum, Atem und Bewegung. Genau hier setzt Yoga an.

Emotionen im Yoga

Seit Jahrtausenden wird Yoga in Indien praktiziert. Aus dieser Tradition stammt das Bild des in sich ruhenden Menschen, der im Einklang mit sich selbst, dem Leben und der Natur steht. Was lange als spirituelle Weisheit galt, ist heute auch im Westen gut erforscht: Der ganzheitliche Ansatz von Yoga kann einen entscheidenden Einfluss auf unsere Psyche und unsere emotionale Balance haben.

Man könnte fast sagen, dass Yoga mittlerweile zu den best erforschten Methoden der Naturheilkunde gehört. Es wird zwar per se nicht in die Naturheilkunde eingeordnet, und doch zeigen zahlreiche Studien, dass eine regelmäßige Yogapraxis – insbesondere in Verbindung mit Atemübungen und Meditation – messbare Veränderungen im Gehirn bewirken. Bei Praktizierenden wurde eine vermehrte Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin und Serotonin sowie des beruhigenden Neurotransmitters GABA (Gamma-Aminobuttersäure) festgestellt. GABA wirkt angstlösend, stabilisierend und unterstützt innere Ruhe. Viele Teilnehmende berichteten nach einigen Wochen Yoga von einer verbesserter Stimmung, weniger Ängsten und mehr Wohlbefinden Yoga wirkt nachweislich auch positiv auf die Funktionen unsere Organe. Vor etwa 100 Jahren, zur Zeit von Tirumala Krishnamacharya (18. November 1888 – 28. Februar 1989), auch bekannt als der Vater des modernen Yogas, kamen Menschen zu ihm, die durch Yoga Heilung suchten und auch fanden.

Yoga ist ein Zusammenspiel aus Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemübungen) und Meditation. Durch diese Verbindung lernen wir, umherirrende Gedanken zu beruhigen und immer wieder ins Jetzt zurückzukehren – jenen Moment, in dem wir fühlen, entscheiden und bewusst reagieren können.

Ein wichtiger Bestandteil ist die Autosuggestion. In der Meditation werden beruhigende oder stärkende Gedanken – wie „Ich bin sicher“ oder „Ich bin stark“ – bewusst wiederholt, bis sie sich im Unterbewusstsein verankern. So können wir unsere innere Haltung aktiv mitgestalten. Auch bestimmte Körperhaltungen unterstützen diesen Prozess: Asanas wie der Held oder der visionäre Held lassen uns buchstäblich aufrecht, offen und kraftvoll im Leben stehen.

Der Atem zu unseren Emotionen

Ein besonders direkter Zugang zu unseren Emotionen ist der Atem. Bei Stress wird er flach, bei Angst stockend, bei Ruhe tief und gleichmäßig. Viele Menschen atmen unbewusst zu kurz und zu flach. Yoga lädt uns ein, den Atem neu kennenzulernen – über die Schlüsselbein-, Brust- und Bauchatmung. Durch diese bewusste Atemführung beruhigt sich das Nervensystem, Gedanken treten in den Hintergrund und innere Unruhe kann sich lösen. Besonders für Menschen mit Ängsten, depressiven Verstimmungen oder Erschöpfung ist diese Atemarbeit sehr wertvoll.

Gefühle kommen und gehen wie Wolken am Himmel. Wir sind der Himmel, nicht die Wolken.

Thich Nhat Hanh, Buddhistischer Mönch aus Vietnam (1926-2022)

Yoga ist ein Kreislauf

Yoga ist ein Kreislauf: Ein starker, beweglicher Körper unterstützt eine belastete Psyche, und innere Stärke hilft, körperliche Spannungen loszulassen. Yoga hilft uns nicht, Emotionen zu kontrollieren oder zu unterdrücken – sondern sie bewusst wahrzunehmen, zu begleiten und zu integrieren.
Emotionen dürfen da sein!

Yoga hilft uns, wie wir ihnen mit Ruhe, Klarheit und Mitgefühl begegnen können. Wir lernen wieder das Ruder in die Hand zu nehmen und müssen uns nicht von unseren Emotionen leiten lassen.

Namaste,

Deine Karin