Freust du dich auch so über den Frühling? Die ersten warmen Tage, das erste Mal (nach einer gefühlten Ewigkeit) wieder ohne dicken Wintermantel das Haus verlassen. Die Sonne, die früher aufgeht und später untergeht als noch vor Monaten. Die Natur, die langsam, aber beständig wieder aus ihrem Winterschlaf zurückkehrt, indem sie uns zarte Knospen und Frühlingsgrüße schickt.
Wo bleibt unser Neuanfang im Frühling?
Wie auch die Natur, so ziehen auch wir uns im Winter zurück und gehen dann im Frühling wieder mit neuer Kraft an den Start. So zumindest sollte es in der Theorie sein, denn in der Praxis laufen wir gefühlt vom 1. Januar bis zum 31. Dezember unseren To-Dos hinterher und gönnen uns dabei keine echte Pause. Der Dezember wird zum Drahtseilakt zwischen familiären Verpflichtungen, Kekse backen und Geschenke einkaufen. Der Jänner – der Start ins neue Jahr – wird überhäuft mit neuen Routinen, guten Vorsätzen. Der Februar – die närrische Zeit – bringt zwar Spaß, aber mindestens genauso viele Verpflichtungen, wie auch in den Monaten davor…
Das, was wir uns von der Natur abschauen können, ist, dass sie geduldig, aber beständig wächst. Die ersten frischen Triebe, die scheinbar von heute auf morgen aus dem Boden sprießen, sind schon Wochen/ Monate tief unter der Erde im Wachstum, bis sie endlich sichtbar werden. Übersetzt für uns Menschen bedeutet das ebenfalls: Wachstum passiert nicht erst, wenn man es sieht. Es sind alle kleinen Schritte davor, in denen wir uns durch die Dunkelheit des Winters kämpfen, und nicht aufgeben, bis wir im Frühling ankommen. Geduld lautet hierbei das Stichwort, denn wir vertrauen dem Prozess, auch wenn noch nichts “blüht”. Wir wachsen leise, vielleicht unbeobachtet, aber beständig.


Was, wenn du längst weiter bist, als du denkst?
Für dich selbst fühlt es sich manchmal vielleicht so an, als ob du auf der Stelle trittst, sich trotz all deiner Bemühungen nichts verändert und als ob alle anderen schon „weiter“ wären – nur du noch nicht.
Doch weißt du was?
Nur weil man Wachstum noch nicht sieht, heißt das nicht, dass es nicht längst stattfindet.
Vielleicht stärkst du gerade Fähigkeiten, die noch niemand bemerkt, vielleicht heilst du Wunden, die andere nie gesehen haben oder du legst gerade ein Fundament, das dich in ein paar Monaten tragen wird.
Die Natur vergleicht sich nicht mit dem Baum nebenan, die Tulpe zweifelt nicht daran, ob sie schnell genug wächst und kein Samenkorn grämt sich darüber, dass es noch unter der Erde ist. Alles geschieht in seinem eigenen Rhythmus und genau so darf es auch bei dir sein.
Sehe ich Geduld als Stärke – oder als Stillstand?
Geduld bedeutet nicht Stillstand, sondern Vertrauen, nämlich in deinen Weg und auch in deine Entwicklung. Vertrauen darauf, dass das, was du heute tust – selbst wenn es klein erscheint – Wirkung zeigt. Vielleicht ist dieser Frühling für dich kein lautes Aufblühen, sondern ein leises Wurzeln schlagen, kein Sprint, sondern ein bewusstes Innehalten. Ein Neubeginn in deinem Tempo.

„Die Natur kennt keine Eile, und doch wird alles vollendet.“
Laozi, chinesischer Philosoph und Begründer des Daoismus, 6.Jhd.v.Chr.
Darf ich mir Zeit zum Wachsen nehmen?
Was wäre, wenn du dir in den nächsten Wochen erlaubst, nicht schneller – sondern achtsamer zu wachsen?
Ein kleiner Schritt, eine bewusste Entscheidung oder ein Moment mehr Geduld mit dir selbst.
Denn auch du bist Natur und die Natur weiß, wie Wachstum geht.
Namaste,
Deine Karin