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Glaube nicht all Deinen Emotionen

InspirationMeditationMindfulness

Kennst du diese Momente, in denen eine Emotion plötzlich alles bestimmt?

Ein kurzer Gedanke, eine Erinnerung oder eine Begegnung, ein Klang, ein Duft – und schon fühlen sich Ärger, Angst oder Traurigkeit so stark an, als wären sie die ganze Wahrheit über die Situation.

In der Yoga-Philosophie gibt es eine kraftvolle Erinnerung: Nicht jede Emotion erzählt die Wahrheit. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir sie unterdrücken oder ignorieren sollen. Im Gegenteil – es ist wichtig, Emotionen wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Sie zeigen uns, dass etwas in uns berührt wurde. Gleichzeitig dürfen wir lernen, nicht automatisch zu glauben, dass das, was wir fühlen, auch die absolute Wahrheit über eine Situation ist.

Auch wenn wir im Alltag Emotion und Gefühl oft synonym verwenden, gibt es doch einen Unterschied:

  • Emotionen sind komplexe Reaktionen des Körpers auf bestimmte Stimuli. Sie sind oft kurzfristig und können körperliche Reaktionen wie Herzklopfen oder Veränderungen der Atmung auslösen. Emotionen sind in der Regel intensiv und haben eine spezifische Ursache (z. B. Angst vor einer Bedrohung, Freude über eine gute Nachricht, Traurigkeit, Hilflosigkeit, etc).
  • Gefühle sind die subjektiven Erfahrungen, die aus diesen Emotionen hervorgehen. Sie sind oft länger anhaltend und weniger intensiv als Emotionen. Gefühle können aus mehreren Emotionen zusammengesetzt sein und sind stark von persönlichen Erfahrungen und der individuellen Interpretation geprägt.

Was uns Yoga über unsere Emotionen lernen kann

In der Yogapraxis erinnern wir uns daran: Wir sind nicht unsere Emotionen. Wir sind der stille Beobachter hinter ihnen. Emotionen dürfen da sein – Wut, Traurigkeit, Freude oder Angst – doch sie definieren nicht, wer wir sind. Auch der Körper spielt dabei eine wichtige Rolle. Emotionen zeigen sich oft als Spannungen oder Blockaden im Körper. Durch bewusste Bewegung, Atmung und Asanas lösen sich diese Spannungen oft schnell wieder auf.

Häufig verändert sich dann auch die emotionale Geschichte, die wir uns über eine Situation erzählen. Yoga lädt uns ein, Emotionen achtsam zu begegnen: sie zu spüren, ihnen Raum zu geben und gleichzeitig innerlich einen Schritt zurückzutreten. So entsteht Gelassenheit – und die Erfahrung, dass Emotionen kommen und gehen dürfen, ohne uns zu beherrschen. Vielleicht ist genau das eine der schönsten Wirkungen von Yoga: Wir lernen, unseren Emotionen gewahr zu werden – ohne allem zu glauben, was sie uns erzählen.

Was passiert, wenn du dich als Beobachter deiner Emotionen siehst?

Unsere Emotionen können intensiv sein, sie können uns bewegen und manchmal auch überwältigen – aber sie sind vergänglich. Umso passender ist diese Beschreibung, wenn man weiß, dass das Wort Emotion aus dem lateinischen “emovere” abgeleitet wurde, was übersetzt “herausbewegen” bedeutet. Man bewegt sich also aus einem normalen Seelenzustand heraus. Im Yoga wird der Geist oft mit einem Ozean verglichen. Gedanken und Emotionen sind wie Wellen: Sie steigen auf, bewegen sich und ziehen wieder weiter. Wenn wir lernen, diese Wellen zu beobachten, statt uns von ihnen mitreißen zu lassen, entsteht ein wertvoller Raum zwischen Reiz und Reaktion.

Der indische Yogaphilosoph Patanjali beschreibt es treffenderweise so

“Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen des Geistes.”

Patanjali, indischer Gelehrter und Philosoph, lebte 200 v. Chr. – 400 n. Chr.

Namaste,

Deine Karin