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Dankbartkeit als Yoga-Praxis

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Kannst du heute einen Moment innehalten und spüren, wofür du dankbar sein kannst ?


Der November lädt uns ein, einen Gang langsamer zu schalten. Die Tage werden kürzer, die Natur zieht sich zurück – und auch wir dürfen mehr nach innen schauen. In dieser stilleren Zeit kann eine einfache, aber sehr kraftvolle Praxis besonders unterstützend sein: Dankbarkeit.
In unserem oft hektischen Alltag nehmen wir vieles als selbstverständlich hin – unsere Gesundheit, Freundschaften, ein Dach über dem Kopf oder das kleine Wunder, jeden Morgen neu zu erwachen.
Dankbarkeit hilft uns, den Blick wieder für diese kleinen und großen Geschenke des Lebens zu öffnen. Sie lässt unser Herz weit werden und erinnert uns daran, dass Fülle oft schon da ist.

Doch was bedeutet Dankbarkeit eigentlich?

Dankbarkeit beginnt mit dem bewussten Erkennen des Guten. Es ist eine innere Haltung, die uns einlädt, das Leben als Geschenk wahrzunehmen – besonders in den kleinen Momenten.

Der Yoga-Lehrer James Swartz beschreibt diese Haltung sehr berührend in seinem Buch „Yoga der drei Energien“:
„Wenn du dich vom Leben schlecht behandelt fühlst und dein Verstand daran gewöhnt ist, sich über dein trauriges Los zu beschweren, musst du dich wieder auf das Grundlegende besinnen und sehen, dass die Tatsache, dass du einen weiteren Tag leben möchtest, ein Beweis für deine große Liebe zum Leben ist. Das Leben ist ein Geschenk, das in jeder wachen Minute geschätzt werden sollte.“

Diese Worte erinnern uns daran, wie kostbar das Leben selbst ist

Oft vergessen wir das, wenn wir sehr mit unseren Gedanken oder Sorgen beschäftigt sind. Dankbarkeit bedeutet jedoch nicht nur, für die schönen Dinge dankbar zu sein. Auch Herausforderungen und Schwierigkeiten können zu unseren größten Lehrern werden. Im Yoga lernen wir, dass gerade die Momente, die uns herausfordern, oft die sind, in denen wir wachsen.
Probleme laden uns ein, innezuhalten, neu zu lernen und stärker zu werden. Vielleicht kennst du diese Erfahrung: Eine schwierige Situation fühlt sich zunächst schwer an – doch rückblickend erkennen wir, dass sie uns etwas Wichtiges gezeigt oder uns auf unserem Weg weitergebracht hat.
Dankbarkeit für solche Erfahrungen bedeutet nicht, dass wir Leid schönreden. Vielmehr erkennen wir darin die Möglichkeit zur Entwicklung und zum inneren Wachstum.
Manchmal braucht es nur wenige Minuten der Stille, um den Blick auf das zu richten, was unser Herz bereits erfüllt.
Eine einfache Möglichkeit, Dankbarkeit im Alltag zu kultivieren, ist eine kurze tägliche Reflexion. Stelle dir zum Beispiel am Abend einige dieser Fragen:

  • Wofür bin ich heute dankbar?
  • Was hat mein Herz heute berührt?
  • Welche Begegnung hat mir Freude geschenkt?
  • Was hat mich heute herausgefordert – und was durfte ich daraus lernen?

Du kannst deine Gedanken in einem Tagebuch festhalten, sie still für dich bewegen oder mit einem lieben Menschen teilen. Schon wenige Minuten reichen oft, um den Blick vom Mangel wieder hin zur Fülle zu lenken.

Dankbarkeit möchte jedoch nicht nur gedacht, sondern auch ausgedrückt werden.

Manchmal sind es kleine Gesten, die eine große Wirkung haben: ein bewusstes „Danke“, ein freundliches Lächeln oder eine Nachricht an einen Menschen, der dein Leben bereichert. Solche Momente stärken nicht nur dein eigenes Wohlbefinden, sondern auch deine Verbindung zu anderen.
Auch auf der Yogamatte können wir Dankbarkeit spüren und vertiefen. Besonders herzöffnende Haltungen laden dazu ein, innerlich Raum zu schaffen und das Herz weit werden zu lassen.
Eine kleine Übung für dich:

  • Lege dich am Ende deiner Praxis in Savasana.
  • Schließe die Augen und atme ruhig ein und aus.
  • Denke dann an drei Dinge, für die du heute dankbar bist. Vielleicht auch an eine Herausforderung, die dir etwas gezeigt hat.
  • Spüre, wie sich mit jedem Atemzug Weite und Leichtigkeit im Herz Raum ausbreiten.
  • Auch eine kurze Meditation kann dich unterstützen: Setze dich aufrecht hin, lege eine Hand auf dein Herz und wiederhole innerlich den Satz: „Danke für dieses Leben – mit allem, was es mir schenkt und lehrt.“

Dankbarkeit verändert unseren inneren Fokus. Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von Sorgen und Mangel – hin zu Vertrauen, Verbundenheit und innerer Stärke.
Vielleicht ist dieser Monat eine Einladung für dich, Dankbarkeit zu einer kleinen täglichen Praxis werden zu lassen – auf der Matte und im Alltag.
Denn oft sind es gerade die stillen, unscheinbaren Momente, die unser Herz am meisten nähren.

„Sei dankbar für alles, was dir begegnet, denn alles ist ein Lehrer.“

— Ram Dass, US-amerikanischer Psychologe und spiritueller Lehrer (1931 – 2019)

Namaste,

Deine Karin